Sylvia Necker

(urban) researcher ::: curator ::: historian ::: sound artist ::: 

nottingham (GB) ::: frankfurt/main (DE) ::: hamburg (DE) :::

zeit- und architekturhistorikerin ::: klangwerkerin ::: ausstellungsmacherin :::

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Heilig Blut – Opening night, 31 May 2018

Gisela Elsner: Heilig Blut
Drama, produced by Schassner/Necker 

with: Ole Bechtold, Christoph Maasch and Silvana Morabito

Production team:
Hannah Schassner (Director)
Sylvia Necker (Dramaturgy, Sound Designer)
Hannah von Eiff (Set and Costume Designer)
Andrea Busmar (Assistant Set and Costume Designer)
Prisca Ludwig (Graphic Designer)
Linus Koenig (Stage Tech)

Opening night: May 31st, 2018. 8 p.m.
Theatre Landungsbruecken Frankfurt/Main
Further performances June 1st, 2018. 8 p.m. (with talk after the performance: Director Hannah Schassner and Sound Designer Sylvia Necker are discussing with Elsner Editor Christine Kuenzel); June 14th and June 15th. 8 p.m. 

Wer ist eigentlich der junge Gösch? Wer sind Hächler, Glaubrecht und Lüßl? Was wollen drei Alt-Nazis mit einem verweichlichten Kriegsdienstverweigerer im tiefsten deutschen Wald? Wie heilig ist die kleine Ortschaft Heilig Blut? Warum sind die Wölfe los? Warum suchen die Männer Spuren im tiefen Schnee, die jedem gehören könnten? Wer ist Jäger und wer ist Gejagter? Und wo ist eigentlich der junge Gösch?

Gisela Elsners Road-Movie-Roman “Heilig Blut” durch deutsche Wälder, alte Jagdhütten, schäbige Wirtshäuser, verquarste Dörfer und verranzte Knopffabriken ist eine bitterböse Analyse bundesdeutscher Wirklichkeit der satten 1970er und 1980er Jahre. Die Autorin seziert die Verlogenheit, Überheblichkeit und Saturiertheit bundesrepublikanischer Alt-Nazis und ihrer braunen Altlasten, indem sie ihre Protagonisten auf eine verzweifelte Jagd durch den vor entlaufenen Wölfen wimmelnden, dichten, düsteren, deutschen Wald hetzt. Dabei überbieten sich Lüßl, Glaubrecht und Hächler in Männlichkeitsbeweisen und strafen jede Schwäche des Anderen mit Verachtung. Wer sich der Gemeinschaft und ihren Ritualen entziehen will, wird schnell belehrt und auf seinen Platz verwiesen. Der so gut wie unbekannte Roman „Heilig Blut“ aus dem Jahr 1982 gibt Einblick in eine tief internalisierte NS-Volksgemeinschaft und zeigt ihre Adaptierbarkeit auch in demokratischen Systemen: Deutsche Tugend und Ehre sind eben zeitlos – gefährlich.

Diese Zeitlosigkeit der Beobachtungen nimmt sich der Theaterabend “Gisela Elsner: Heilig Blut” zum Anlass und Ausgangspunkt und kratzt lustvoll die Aktualität der Erzählung aus den Spuren, die sie  im Schnee von Heute hinterlassen hat. Voller Inbrunst werfen sich die SpielerInnen in eine Geschichte, in der es am Ende beinahe nur mehr Jäger gibt. Die Inszenierung transformiert die scharfen Wortkaskaden und groteske Überhöhung Elsners in Bild- und Klangmetaphern, die die Hinterhältigkeit und Gefahr der Gedankenwelten der drei vermeintlich ehrbaren Alt-Nazis Hächler, Glaubrecht und Lüßl offenlegen, indem sie sie durch einen synästhetischen Verstärker jagen. – Und wie immer fällt irgendwann ein Schuss.

Download the leaflet: 2018-05-HeiligBlut-Flyer